Die diesjährigen Sommermonate sorgen auf den internationalen Finanzmärkten für die ersten kleinen Gewitter. Inflationssorgen, getrieben von historisch hohen Ölpreisen, drücken auf die Aktienkurse, der Zinsmarkt ist in Bewegung, die Bankenkrise noch immer nicht ausgestanden und alle Marktteilnehmer fragen sich, wo es mit der Konjunktur hin geht. Hier zeigt es sich wieder, dass aus Sicht einer soliden Finanzplanung ein Risikomanagement für Finanzanlagen aktueller denn je ist.
Es sind vier einfache und bewährte Grundideen, die Geldanleger beherzigen sollten – das sind Vernunft, Transparenz, Diversifikation und Versicherung. Leider werden diese Gebote nur allzu oft übertreten.
Zur Vernunft: Ein Anlageberater verspricht hohe zweistellige Renditen und schon kommen hohe Millionenbeträge zusammen, die dann in dubiosen Kanälen versickern. Der gesunde Menschenverstand sagt: Wer einen Weg gefunden hat, sicher hohe zweistellige Renditen zu erwirtschaften, der muss sich nicht die Mühe machen, Anleger zu werben, sondern nimmt selber Kredit auf und verdient alleine. Aber wer hört auf die Vernunft? Das Bundeskriminalamt schätzt den jährlichen Verlust auf dem „grauen“ Kapitalmarkt auf weit über 10 Mrd. Euro.
Zur Transparenz: Viel Geld wird derzeit in wenig transparente Anlagevehikel gesteckt, die ewige Freiheit vor der Abgeltungsteuer versprechen. In diesen Vehikeln stecken oft hohe Kosten und Provisionen zu Gunsten der Initiatoren und Anbieter. Um diesen Kostenblock zusätzlich zu einem für den Anleger befriedigenden, deutlich über dem Geldmarktzins liegenden Ergebnis zu erwirtschaften, müssen Risiken eingegangen werden, oder die Ergebnisse werden auf Dauer hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben. Eine optimale Anlagestrategie sollte daher nicht allein auf steuerliche Aspekte abgestellt werden.
Zur Diversifikation: Risiken sollten so geschickt verteilt werden, dass Kursstürze mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht alle Investments gleichzeitig treffen. Mit viel Mühe und technischem Aufwand wird den Anlegern auf der Basis von Vergangenheitszahlen vorgerechnet, wie Risiken durch Diversifikation zu reduzieren sind. Leider sind es mehrere Punkte, die während und im Nachgang zu solcherlei Analysen zu beachten sind. In der Durchführung werden die Analysen in der Regel ohne Berücksichtigung von Kosten und von Steuern durchgeführt, die Anlagen aber unter dem Gesichtspunkt Steueroptimierung und inklusive Kosten getätigt.
Im Nachgang wird die Analyse viel zu selten aktualisiert, und bei der Umsetzung wird nicht selten auf Vehikel zurückgegriffen, deren Wirkung in der Analyse gar nicht exakt abgebildet werden kann, wie es zum Beispiel bei vielen strukturierten Produkten der Fall ist. Diversifikation über Zertifikate stellt ein weiteres Problemfeld dar, weil man zwar z. B. über ein Indexzertifikat eine sehr schöne Diversifikation schaffen kann, sich aber gleichzeitig das Risiko einkauft, das mit dem Emittenten des Zertifikats verbunden ist. Der versierte Vermögensbetreuer kann dies durch sorgfältige Selektion ausschließen.
Zur Versicherung: Versichert ist der private Anleger (innerhalb bestimmter Grenzen), wenn er Anlagen bei einem Unternehmen tätigt, das Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist. Allerdings – und auch dies wird oft vernachlässigt – deckt dieser Schutz nicht alle Einlagen ab. Der BdB formuliert dazu: Bei den geschützten Einlagen handelt es sich im Wesentlichen um Sicht-, Termin- und Spareinlagen und auf den Namen lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagenzertifikate, werden dagegen nicht überall geschützt.
Mit ihrer Sicherungseinrichtung bieten die Volksbanken und Raiffeisenbanken mehr Sicherheit als die vom Gesetzgeber geforderten 90 Prozent Einlagensicherung, wonach Beträge bis zu 20.000 Euro abgedeckt sind. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken schützen die Kundeneinlagen und auch Inhaberschuldverschreibungen sowie verbundeigene Zertifikate zu 100 Prozent in unbegrenzter Höhe.
Als Fazit daraus muss dem Risikomanagement höchste Aufmerksamt geschenkt werden. Entscheidungen sollten stets auf Basis transparenter Angebote erfolgen und von unabhängigem wie qualifiziertem Rat begleitet sein.