Navigation überspringen
Startseite
Privatkunden
Firmenkunden
Junge Kunden
Wir für Sie
E-Banking
Online-Filiale
Ich möchte...
Volksbank Koblenz Mittelrhein eG
BLZ: 57090000
Impressum | AGB + Sonderbedingungen | Nutzungsbedingungen | Datenschutzhinweis

Schlägt die Stunde regionaler Institute?

 

Ein Interview mit Theodor Winkelmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Koblenz Mittelrhein eG.

 

Erst waren es 35, dann 50 Milliarden Euro. Und immer ist das Ausmaß der Krise beim Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate noch nicht abzusehen. Wie konnte das passieren?
Grundsätzlich ist es so: Die Hypo Real Estate hat kein Bonitätsproblem, sondern ein Liquiditätsproblem. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Entwicklungen in den USA.  Die Münchner Bank hat langfristig gewährte Immobilienkredite über kurzfristige Gelder finanziert. Als sich infolge der US-Immobilienkrise die Banken untereinander die Kreditlinien kürzten, brach dieses System zusammen. Meine Kritik: Die Verantwortlichen haben offenbar das kleine Einmaleins für jeden Banker vernachlässigt. Es gibt da einen einfachen Grundsatz – Liquidität geht vor Rentabilität. Wenn wir uns so einen groben Fehler leisten würden, wäre der Teufel los.

Was sind die unmittelbaren Folgen?
Kontrollen, staatliche Interventionen und Bürokratie werden zunehmen. Am Ende werden genau diejenigen bestraft, die für die Krise gar nichts können. Dazu gehören gerade auch genossenschaftliche Banken und Sparkassen. Wir verdienen unser Geld in der Region und wir verleihen es in der Region. Wir haben deshalb mit den Fehlern auf nationaler und internationaler Ebene überhaupt nichts zu tun.

Die Zunahme von Bürokratie wäre ja noch zu verkraften, die realwirtschaftlichen Folgen könnten doch viel dramatischer sein. Die aktuellen Dax-Stände verheißen wenig Gutes …
Das Problem ist, dass zurzeit niemand zutreffend analysieren kann, was passieren wird. Wir haben jetzt eine große Vertrauenskrise mit entsprechenden psychologischen Folgen. Dabei gibt es objektiv keinen Grund, panisch zu reagieren. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist stabil. Und auch für das kommende Jahr stehen die Zeichen auf Wachstum – noch. Ich befürchte leider, dass auch die Realwirtschaft unter der Krise leiden wird. Die Erfahrung zeigt, dass gerade die Menschen in Deutschland zum „Vorsichtssparen“ neigen, was empfindliche Folgen für die Konjunktur haben könnte.

Was halten Sie von der Zusage der Bundeskanzlerin, dass der Staat im Extremfall für die Bankeinlagen von Privatkunden garantiert?
Aus Sicht der Volksbanken und Raiffeisenbanken wäre eine solche Zusage überhaupt nicht nötig. Wir haben umfassende Sicherungssysteme, die über einen Sicherungsfonds für Einlagen hinausgehen. Wir haben unsere Kunden frühzeitig darüber informiert. Verunsicherte Kunden, die ihr Geld abheben wollten, gibt es deshalb trotz der Krise bei Hypo Real Estate bei uns bisher nicht. Dennoch: Das Signal der Bundesregierung ist durchaus positiv zu bewerten, weil nicht alle Institute, die auf dem deutschen Markt aktiv sind, ähnlich stabile Sicherungssysteme haben. Ich denke da an ausländische Banken, die zwar mit hohen Zinsen locken, aber nur bis zu einem Maximalbetrag von 20.000 Euro haften. Es kommt nicht von ungefähr, dass auch die österreichische Regierung eine Garantie abgegeben  hat.  Es gilt eben immer noch der alte Grundsatz: Je mehr Rendite desto höher ist das Risiko.

Für welche Bereiche gilt die „Staatsgarantie“?
Genau darüber hat die Bundesregierung noch keine konkrete Aussage gemacht. Es gibt noch sehr viele ungeklärte Details, insbesondere welche Einlagen sicher sein sollen.

Bislang wurde oft und gern über die Folgen für private Anleger gesprochen. Wie ist es denn mit den Kreditnehmern? Werden jetzt Dispositions- und Konsumentenkredite gekündigt?
Ich kann natürlich nicht für andere Wettbewerber sprechen, doch gehe ich davon aus, dass genau das nicht passieren wird. Für unser Haus kann ich sagen: Kreditnehmer brauchen nichts zu befürchten.

Gilt das auch für Immobilienfinanzierungen?
Natürlich. Wir sind ja nicht in den USA. Dort haben sich viele Immobilieneigentümer mit Vollfinanzierungen übernommen. Die Kreditgeber haben das mitgemacht. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die US-Baufinanzierer keine klassischen Banken oder Bausparkassen sind, sondern Kreditvermittler, die schließlich Kredite gebündelt und als Anlagen auf den Markt gebracht haben. Solange die Immobilienpreise stiegen, ging die Rechnung auf. Als dann viele Hausbesitzer infolge der variablen Zinsgestaltung ihre Raten nicht mehr bedienen konnten, fielen die Preise auf dem Immobilienmarkt – der sprichwörtliche Dominoeffekt trat ein.

Und was ist in Deutschland anders?
Zum einen gibt es in Deutschland nicht die Mentalität, auf Pump zu leben, zum anderen macht kein seriöser Baufinanzierer solche Risikogeschäfte mit. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass in Deutschland mit festen Zinssätzen, zum Teil über die gesamte Vertragslaufzeit, gearbeitet wird. Das bringt für alle Beteiligten Planungssicherheit. Natürlich gibt es auch bei uns Ausfälle. Typische Fälle sind Arbeitslosigkeit und Ehescheidungen. Man sollte nicht vergessen, dass wir auch eine gewisse Verantwortung haben und auch einmal Nein sagen, wenn es nicht passt. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Wer eine Immobilie finanzieren möchte, sollte mindestens 20 Prozent Eigenkapital mitbringen.

Sie haben eben darüber gesprochen, dass die Spareinlagen sicher sind. Wie sieht es mit Aktien und Fonds aus?
Auch in der Krise gibt es risikofreudige Anleger, die an der Börse viel Geld verdient haben. Solche Spekulationen sind zum einen nicht unser Geschäft, zum anderen können sie nicht Gegenstand einer vernünftigen Anlagestrategie sein. Natürlich können und wollen wir nicht abstreiten, dass die aktuellen Kurseinbrüche an den Börsen auch den „normalen“ Privatanleger getroffen haben. Einen Grund, panikartig seine Papiere zu verkaufen, gibt es nicht. Aktien und Aktienfonds rentieren sich unter dem Strich bei einer mittel- oder langfristigen  Anlagestrategie. Das gilt besonders für Aktienfonds. Investmentfonds bilden ein Sondervermögen, in dem die Beteiligungen breit gestreut sind. Daraus ergibt sich gleich eine doppelte Absicherung. Die Erfahrung zeigt, dass Anleger auf lange Sicht bisher ein gutes Geschäft gemacht haben. Bei dieser Beurteilung spielt jedoch der Zeitaspekt eine Rolle, sodass sich diese Beteiligungsform besonders für jüngere Anleger eignet.

Und wie sieht es mit Immobilienfonds aus?
Auch hier können wir vor Panikverkäufen nur warnen. Die Krise betrifft sie bislang nicht. Das gilt besonders für die offenen Immobilienfonds. Ein Grund hierfür ist, dass diese Fonds vor allem in gewerbliche Immobilien investieren.

Vor welchen Anlageformen würden Sie warnen?
Das kann man so pauschal nicht sagen. In diesen Tagen können Zertifikate riskant werden. Doch Zertifikat ist nicht gleich Zertifikat. Wie überall gibt es gute und schlechte Produkte.