Mit der EGON eSG wurde heute die erste Schülergenossenschaft in Koblenz gegründet

Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig unterstützt das Projekt

Schüler werden zu Unternehmern

(Koblenz, 22.04.2015) Feierlich begann heute morgen das exklusive Pressegespräch zur Gründung der ersten Schülergenossenschaft in Koblenz – EGON eSG. Das Saxophon-Quartett des Eichendorff-Gymnasiums beeindruckte mit temporeichem Rhythmus und ebenso heiter und kurzweilig ging es weiter.

Bereits seit mehr als einem Jahr besteht ein enger Austausch zwischen Schülern und Lehrern des Eichendorff-Gymnasiums und Mitarbeitern der Volksbank Koblenz Mittelrhein. Aufbauend auf einer Schulpatenschaft und mit Unterstützung durch den Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband (RWGV) wurden gemeinsam Messen und Workshops besucht und Ideen, Ziele und Strategien einer möglichen Schülergenossenschaft ausgearbeitet. Herausgekommen ist eine tolle Geschäftsidee für eine ganz spezielle Art von Schülerfirma.

„Heute ist ein besonderer Tag für das Eichendorff-Gymnasium, für die Volksbank Koblenz Mittelrhein und auch für Koblenz“, so Walter Müller, Vorstand der Volksbank Koblenz Mittelrhein eG, „Das Engagement der Schüler, Lehrer aber auch die Rückendeckung der Elternschaft am Eichendorff-Gymnasium ist beispielhaft. Es freut uns natürlich ganz besonders, dass unser genossenschaftlicher Grundsatz `Was einer alleine nicht schafft, schaffen viele`, auch Richtschnur für die neue Schülergenossenschaft sein wird. Junge Menschen übernehmen Verantwortung und tun Gutes. Mitbestimmung und gelebte Demokratie sind zentrale Werte – genau wie bei unserer Bank.“

Als erster Bürger der Stadt ließ es sich Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig nicht nehmen, dabei zu sein. Aus seiner früheren Funktion als Kulturstaatssekretär berichtete er, dass Wirtschaft im Schulunterricht traditionell oft zu kurz komme und betonte die „Pilotfunktion“ des „bemerkenswerten“ Projekts. Den Schülern versicherte er den enormen persönlichen Lerneffekt: „Wer hier mitmacht, wird nach dem Abi sicher sehr viel erfolgreicher sein als Mitschüler, die nur den Lehrplanstoff mitgenommen haben.“

Als tolle Idee bezeichnete er auch die Initiative der Volksbank, die Gesellschaftsform der Genossenschaft ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Schließlich sei die genossenschaftliche Idee in Rheinland-Pfalz entstanden durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Als der Oberbürgermeister erfuhr, dass bereits Absichtserklärungen für über 299 Genossenschaftsanteile vorlagen, zückte er spontan seine Geldbörse, so dass mit seinen Anteilen die 300er Marke bereits am Vormittag überschritten werden konnte.

Schulleiter Hans-Georg Meier erläuterte das Dilemma für die Schulen, einerseits ein geschützter Raum zu sein, gleichzeitig aber auf die Härte des Wirtschaftslebens vorzubereiten, mit der die Schüler nach dem Abitur früher oder später konfrontiert sein werden: „Es ist wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler auch in der Praxis erfahren können, wie Wirtschaft funktioniert. Wie Henry Ford schon sagte, beginne die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor, sondern im Klassenzimmer.“

Die Schülerinnen Lea Rieser, Stephanie Linnartz und Kerima Trauden vertreten in Zukunft als Vorstand die EGON eSG. Sie präsentierten heute im Rahmen eines Pressegesprächs die Herausforderungen aber auch die Freude, die ein solches Projekt an die Schüler stellt. Immerhin stammen die engagierten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen, so dass für Arbeitstreffen die unterschiedlichen Stundenpläne miteinander abgestimmt werden müssen.

EGON steht für Eichendorff-Gymnasium ökologisch und nachhaltig, eSG steht für eingetragene Schülergenossenschaft. Im Mai wird im Eichendorff-Gymnasium ein Schulkiosk eröffnen. Gezeigt wurden schon heute die zukünftigen Produkte, wie Starterpakete für die 5.-Klässler mit Schulmaterial, Geodreiecke aus Bio-Kunststoff, Kugelschreiber aus Altpapier oder Textmarker auf Wasserbasis mit nachfüllbarer Farbe. Auch Schulkleidung wird die Schülergenossenschaft anbieten.

Das Eichendorff-Gymnasium ist eine UNESCO-Projektschule und hat sich als solche den Werten und Prinzipien der UNESCO verpflichtet. Sollte die Genossenschaft Gewinne erwirtschaften, so werden diese anteillig an die Partnerschulen in Ruanda und Nicaragua sowie für örtliche soziale Projekte gespendet.

Dass viele an die Idee glauben zeigt der enorme Zuspruch, den die Genossenschaft bereits vor der Gründung bekam. Bis zum Nachmittag waren 376 Anteile von 153 Gründungsmitgliedern zusammengekommen. „Das ist bundesweit ein absoluter Rekord“, so Müller.

Mitglied der EGON eSG werden kann, wer mit dem Eichendorff-Gymnasium als (ehemaliger) Schüler, Lehrer oder Eltern in Verbindung steht oder Person des öffentlichen Lebens ist. Wer Interesse hat, einen oder mehrere Anteile zu je 5 Euro zu erwerben und damit Mitglied zu werden und die engagierten Schüler/innen zu unterstützen, findet weitere Infos unter www.egon-koblenz.de.

In den Vorstand berufen wurden von der heutigen Generalversammlung, die unter der Leitung von Laura Böhler stattfand:
·        Stephanie Linnartz (Vorsitz)
·        Lea Rieser
·        Kerima Trauden

In den Aufsichtsrat berufen wurden:
·        Inger Brudermanns (Vorsitzende)
·        Lisa Dang (stv. Vorsitzende)
·        Tue Tran (Schriftführerin)
·        Christina Becker (stv. Schriftführerin, Vertreterin der Lehrerschaft)
·        Judith Sauerborn (Vertreterin der Volksbank)

Die Beteiligten am Projekt (v.l.) Judith Sauerborn, Leiterin Marketing und Unternehmenskommunikation von der Volksbank Koblenz Mittelrhein (VBKM), Christina Caspers, Finanzberaterin VBKM, Manfred Koren, stv. Schulelternsprecher, Christina Becker, Lehrerin, Brigitte Balzer Engel, Lehrerin, Werner Birkenheier, Prokurist VBKM, Hans-Georg Meier, Schulleiter Eichendorff-Gymnasium, die Schüler Lukas Stannek, Lea Rieser, Kerima Trauden, Laura Neumann, Hannah Böhler, Stephanie Linnartz, Anna Kimmel, Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Schülerin Julia Stallgies, Walter Müller, Vorstand VBKM und Volker Beckmann vom Westdeutschen Handwerkskammertag sowie dem Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband. Nicht auf dem Bild: die später gewählten Aufsichtsratsmitglieder Inger Brudermanns, Tue Tran und Lisa Dang.

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