Unternehmertreffen der Volksbanken und Raiffeisenbanken beschäftigte sich mit Perspektiven für den Mittelstand

Deutschland verändert sich

(Koblenz/Frankfurt, 04.11.2016) Europa kommt in Sachen Sicherheit und Digitalisierung eine besondere Rolle zu. Dafür gelte es, die Bindung der Menschen an Europa zu stärken, so Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in seiner Rede beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken gestern in Frankfurt.

Der Wirtschaftstag ist das größte Unternehmertreffen Deutschlands. Unter dem Titel „Deutschland verändert sich – Perspektiven für den Mittelstand“ wurde in Reden von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Siemens-Chef Joe Kaeser sowie in drei hochkarätig besetzten Gesprächsrunden die Veränderung in Deutschland beleuchtet.

Die Schwerpunkte waren Integration mit Cem Özdemir, Ko-Vorsitzender Bündnis90/Grüne, der Bestsellerautorin und Polizistin Tania Kambouri und Dirk Roßmann, Chef der gleichnamigen Drogeriekette; die Konsequenzen der US-Präsidentschaftswahlen mit Bernhard Mattes, Chef der Ford-Werke und President American Chamber of Commerce in Germany, sowie dem Berlin-Korrespondenten des Wall Street Journal, Anton Troianovski; Digitalisierung, Unternehmensgründung und Perspektiven für den Mittelstand zeigten Anna Alex, Gründerin und Geschäftsführerin der Outfittery GmbH, und Dr. Carsten Linnemann, Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung auf.

In der Eröffnungsrede appellierte der Präsident des Genossenschaftsverbands, Michael Bockelmann, an die Politik, die Zukunftsfähigkeit des Wirtschafts- und Finanzstandorts Deutschland im europäischen Vergleich zu sichern und artikulierte damit eine zentrale Forderung für die folgenden Gespräche.

Als Beispiel für verfehlte Rahmenbedingungen nannte Bockelmann die europäische Einlagensicherung, die falsche Anreize setze, statt Prävention zu forcieren. „Eine gemeinsame Einlagensicherung ist nicht die Lösung für die Probleme der Banken in Europa“, so Schäuble. Die Stabilität seiner Banken müsse jedes Land zuerst einmal selbst sicherstellen. Wo Handlungsbedarf ist, stelle die europäische Aufsicht nach einheitlichen Maßstäben fest.

Im Hinblick auf die Anpassungen der Basel-Eigenkapitalregeln sagte der Bundesfinanzminister eine intensive Abstimmung voraus. Man dürfe nicht zulassen, dass die Eigenkapitalunterlegung für Kredite an regionale Kunden, die den Banken seit langem bekannt sind, denselben Standards unterliegt, wie anonyme Großkredite. Damit sprach Schäuble aus, was die Volks- und Raiffeisenbanken schon lange fordern.

In Europa und der EU-Kommission fänden die Vorteile des deutschen Bankensystems mit seinen drei Säulen immer mehr Zustimmung, bekräftigte Schäuble. Den Plänen einer europaweiten Einlagensicherung erteilte er erneut eine Absage. Bei der Bankenregulierung sei es notwendig, für die kleinen und mittleren Geldinstitute spezifische Lösungen zu finden: „Keine Standardkriterien für alle Größenklassen von Banken in der Regulierung. Das 3-Säulensystem der Banken hat sich bewährt.“

Positiv bewertete Verbandspräsident Bockelmann die von der EU-Kommission angekündigten Erleichterungen bei Mittelstandskrediten und dass weite Teile des Mittelstands die Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen und immer stärker auf Angebote der Volksbanken Raiffeisenbanken zurückgreifen. Für die mittelständischen Banken gelte es, nicht jede, aber die besten Innovationen der FinTech-Branche aufzugreifen. Als Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung solcher Innovationen nannte Bockelmann die Bezahlsysteme PayDirekt und Girocard mobile, die Kunden deutsche Datenschutzstandards bieten -Digitalisierung Made in Germany.

Digitalisierung verändert die Welt

Digitalisierung ist ein entscheidender Treiber der Veränderung im Mittelstand – das sieht auch Joe Kaeser so. Wie Deutschland auf die Digitalisierung reagiert, entscheide über die Zukunft der Nation - davon ist der Siemens-Chef überzeugt und zeigte sich optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft diese Herausforderung meistern werde: „Es gab in Deutschland schon eine Gründungskultur, als es im Silicon Valley noch nicht einmal Garagen gab.“

Im Zeichen von Industrie 4.0 spiele die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. Als besonders innovativ und kreativ erwiesen sich dabei inhabergeführten Unternehmen. Daher gelte es, diese Eigentümer- und Innovationskultur auch in die Großunternehmen zu integrieren. Die Maxime im Hause Siemens laute folgerichtig: „Handle so, als wäre es dein eigenes Unternehmen“. Nicht die größten und auch nicht die schnellsten Unternehmen würden überleben und den Wandel gestalten, sondern diejenigen, die sich am besten an die sich immer rasanter ändernden Bedingungen anpassten. „Die meisten FinTech-Unternehmen werden scheitern. Doch die, die überleben, verändern die Welt“, sagte Siemens-Chef Kaeser zu den Folgen der Digitalisierung für Banken.

Die Volksbank Koblenz Mittelrhein war mit einer Delegation in der vollbesetzten Jahrhunderthalle in Frankfurt vertreten.

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